Editorial

Zuckerschlecken
Liebe Weltentdeckerinnen und Weltentdecker
Kurz vor Weihnachten herrscht Gewissheit. Nein, das Röntgenbild sieht nicht gut aus. Ja, es ist eine Lungenentzündung. Ja, meine Frau muss sofort mit dem Ambulanzboot von Koh Phangan nach Koh Samui ins Spital verlegt werden. Ja, sie wird tagelang im Bett bleiben. Ja, unsere Pläne sind über den Haufen. Und nein, keine Busfahrten und keine Flüge vorläufig. Als der Anruf kommt, spielen der Fünf- und der Neunjährige zwischen Palmen und Strand Fussball, ich komme gerade aus dem Meer. Wir geniessen die ersten Tage unserer einmonatigen Reise durch Thailand und sind in allen Belangen in gemächlichem Tempo unterwegs. Jetzt muss es plötzlich schnell gehen. Es ist 15 Uhr, die Abendfähre nach Koh Samui legt um 17.30 Uhr ab. Ich buche Tickets und das erstbeste Hotelzimmer. Wir stopfen all unseren Kram irgendwie in die Rücksäcke, fahren mit dem Taxi zum Hafen und setzen in der Dämmerung über. Dann geht es weiter ins Spital. Die Liebste lächelt schwach, als sie uns sieht. In der Nacht liegen wir zu dritt in einem kleinen Hotelbett in einem der seelenlosen Bunker von Bophut Beach. Der Kleine hustet sich die Seele aus dem Leib. Kurz nach Mitternacht erbricht der Grosse das Hot-Dog-Würstchen, das er sich ein paar Stunden zuvor im Supermarkt einverleibte, in groben Stücken aufs Bett.
Ich will nicht mehr. Nicht mehr reisen. Nicht mehr hier sein.
Knapp zwei Wochen später gondeln wir zu viert auf klapprigen Fahrrädern durch den Historischen Park von Sukhothai im Norden des Landes. Alle strahlen wie die Sonne, der geeiste Thai-Tee schimmert golden im Becher, später gönnen wir uns eine Massage. Die Lungenentzündung ist überstanden, die medizinische Versorgung war top, die Weiterreise verlief unproblematisch.
Ich will nichts anderes mehr. Nie mehr aufhören zu reisen. Für immer hier sein. Unsere Redaktorin Jeannine Keller sagt, Reisen sei oft kein Zuckerschlecken, aber die Mühen immer wert. Und sie hat recht: Es sind die Herausforderungen auf Reisen, die uns lehren, dass wir in Notsituationen funktionieren, mit Ungewissheit umgehen können und uns schliesslich Geschichten schenken, die wir ein Leben lang erzählen. Rebecca Baumann zum Beispiel ist in Neuseeland fast ertrunken, als sie beim Durchqueren eines Flusses den Boden unter den Füssen verlor. Ihre Reportage lest Ihr ab Seite 40 in dieser Ausgabe.
Wer kotzende Kinder im Hotelbett, kranke Gattinnen in südostasiatischen Spitälern und manchmal gar Nahtoderfahrungen in neuseeländischen Flüssen akzeptiert und später als Teil des Erlebnisses begreift, wird mit einem einzigartigen Gefühl der Sinnhaftigkeit belohnt. Und mit Erinnerungen, die fast alles wert sind.

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